Autor: Lukas Böhl

  • Jungs wie wir werden nicht erwachsen

    Ich weiß nicht, wie Danny es geschafft hatte, sich unbemerkt an den Polizisten vorbeizuschleichen."

    Doch da saß er nun am Steuer des Streifenwagens.

    Mit einem breiten Grinsen schaute er zu mir auf die Rückbank.

    „Fahr los, verdammt, fahr los!“, schrie ich.

    Danny fackelte nicht lange, drehte den von den Beamten stecken gelassenen Schlüssel um und trat aufs Gas.

    Der Ruck beim Anfahren warf mich in den Sitz zurück.

    Als ich mich nach einigen Metern gesammelt hatte, drehte ich mich um.

    Ich sah gerade noch die zwei Uniformierten, die versuchten, den Wagen einzuholen.

    Dann blieben sie stehen und forderten über Funk Verstärkung an.

    Es würde nicht lange dauern, bis man uns mit einem gestohlenen Streifenwagen erwischen würde, dachte ich.

    Wir hätten uns genauso gut einen riesigen roten Pfeil auf das Dach montieren können.

    „Und was ist ist jetzt dein Plan?“, wollte ich von Danny wissen, der voller Euphorie in sich hinein lachte.

    „Wir fahren zum Meer. Wir steigen nicht aus, bevor wir da sind.“

    „Die werden die Straßen blockieren, vielleicht sogar einen Hubschrauber dazuholen.“

    „Im Moment sind wir denen voraus. Die wissen doch gar nicht, wohin wir fahren.“

    „Wir sitzen in einem Bullenwagen, die werden das Ding schon irgendwie orten können.“

    „Sollen sie doch. Wir fahren einfach schneller als die.“

    „Das war dumm von dir.“

    „Du wolltest, dass ich losfahre.“

    „Ich dachte, du hättest einen Plan.“

    „Wie lange kennen wir uns schon? Ich kenne Wege, die die nicht kennen. Vertrau mir, alter Freund.“

    „Das habe ich schon viel zu oft.“

    Während wir uns unterhielten, sauste die Landschaft ans uns vorbei.

    Danny bretterte mit mindestens 200 Sachen über die leere Landstraße.

    Zum Glück waren die Pendler schon zu Hause.

    Irgendwo in der Ferne glaubte ich, Sirenen zu hören.

    Sehen konnte ich sie aber nicht.

    Dennoch durfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die uns eingeholt hatten.

    Danny schien das nicht zu interessieren.

    Sein Blick war stur geradeaus gerichtet.

    Mit Vollgas ging es voran.

    Wir befanden uns irgendwo auf dem Land.

    Ich gab mich meinem Schicksal hin und ließ es passieren.

    Nach einer Weile tauchte in der Ferne eine Tankstelle auf.

    Ich bemerkte eine Veränderung in Dannys Blick.

    Ehe ich verstanden hatte, was er vorhatte, riss er das Steuer nach links und bretterte in die Einfahrt der Tanke.

    Mit Adleraugen scannte er die Szene, wurde fündig, drehte sich zu mir um und sah mich mit einem wahnsinnigen Blick an.

    „Siehst du den schwarzen BMW?“

    „Ja, was ist damit?“

    „Den schnappen wir uns. Der Fahrer ist gerade rein. Wenn er wieder rauskommt, hau ich ihn um, nehm den Schlüssel und wir fahren davon. Das ist ein altes Modell ohne technischen Schnickschnack. Also los.“

    Für einen Einwand blieb keine Zeit.

    Danny war schon aus dem Auto gestiegen.

    Den Schlüssel des Polizeiwagens hatte er mit sich genommen.

    Ich folgte ihm, so schnell ich konnte.

    Ich sah nur, wie der arme Kerl zu Boden ging und hörte Danny brüllen: „Los, los, los!“.

    Ich sprintete zum Wagen, er war noch offen.

    Ich riß die Beifahrertür auf und ließ mich in den Sitz fallen.

    Eine Sekunde später waren wir wieder auf der Straße.

    In rasantem Tempo ging es vorwärts.

    Danny nahm mehrere Abzweigungen, fuhr durch Dörfer und mied die Hauptstraße.

    Seltsamerweise waren wir immer noch keiner Polizeistreife begegnet.

    Auch wenn die uns nun mit Sicherheit mit allen verfügbaren Mitteln verfolgen würden.

    Die meiste Zeit schwiegen wir.

    Die Motorengeräusche sagten alles, was es zu sagen gab.

    Langsam erkannte ich die Namen der Ortsschilder wieder.

    Wir waren noch einige Stunden vom Meer entfernt.

    Danny wollte die Nacht durchfahren.

    Und dann?

    Scheißegal.

    Immer weiter, weiter, weiter.

    Die Straßen waren so gut wie leer.

    Hinter jeder Ecke vermutete ich eine Straßensperre oder eine Streife, die unsere Reise zufällig beenden würde.

    Doch wir schafften es unentdeckt durch die Nacht.

    Gegen halb 6 wurde es langsam hell.

    Das Meer rückte endlich in greifbare Nähe.

    Plötzlich kam hinter uns ein Streifenwagen angeschossen.

    „Fahr, verdammt, fahr!“, schrie ich Danny an.

    Er holte nochmal alles aus dem alten BMW heraus.

    Ich ließ das Fenster herunter.

    Man konnte das Meer jetzt riechen.

    „Keine Sorgen, wir schaffen es“, versicherte mir Danny, „gleich da!“.

    Inzwischen waren zwei weitere Streifenwagen zu unseren Verfolgern dazugestoßen.

    Wir fuhren in einen der kleinen Strandorte ein und heizten durch die Bilderbuchstraßen.

    Nur noch wenige hundert Meter trennten uns vom Meer.

    Wir konnten jetzt nicht aufgeben.

    Nach der letzten Kurve sahen wir das blaue Wasser vor uns.

    Danny hielt schnurstracks auf die Strandpromenade zu. „Festhalten!“

    Wir rasten über die Flaniermeile, nahmen ein paar Stühle einer Eisdiele mit und durchbrachen dann das Geländer.

    Im nächsten Moment flogen wir über die Mauer und krachten mit einem dumpfen Schlag auf den Sand.

    Dabei musste die Achse gebrochen sein, denn nach einem letzten Aufheulen versagte der Motor.

    Danny sah mich an, ich wusste Bescheid.

    Tür auf, raus und los.

    Auf dem Weg zum Meer streiften wir ein Kleidungsstück nach dem anderen ab.

    Einige Meter hinter uns rannten 5 oder 6 Polizisten in voller Uniform und brüllten, dass wir stehenbleiben sollen.

    Wir dachten nicht daran.

    Nackt stürzten wir in die Fluten und schwammen los.

    Nachdem wir gut 20 Meter hinaus ins Meer geschwommen waren, drehte ich mich um.

    Die Polizisten standen jetzt am Ufer, schrien und gestikulierten.

    Wahrscheinlich hatten sie bereits die Wasserpolizei verständigt.

    Danny schwamm weiter.

    „Wo willst du hin?“, rief ich ihm hinterher.

    Erst jetzt drehte er sich zu mir um.

    „Jungs wie wir werden nicht erwachsen.“

    „Was soll das heißen?“

    Danny sah mich mit einem bedeutungsvollen Blick an, bevor er sich abwandte und weiterschwamm.

    Nach einigen Metern tauchte er unter.

    Ich blieb, wo ich war, sah auf auf die Stelle und hoffte, er würde wieder auftauchen.

    Doch ich hatte so ein Gefühl.

    Ein Blick zurück verriet mir, dass es an der Zeit für eine Entscheidung war.

    Noch einen kurzen Moment wartete ich ab, ob Danny nicht doch wieder auftauchen würde.

    Als er es nicht tat, schwamm ich zurück zum Strand.

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  • Was von Gott übrig blieb

    Die Kirchenglocken läuteten an diesem Morgen besonders laut."

    Ich war schon öfter durch sie wach geworden, doch dieses Mal war es anders.

    Das Geläut klang eindringender.

    Es war tief in mein Unterbewusstsein gelangt, um mich aus einem merkwürdigen Traum zu holen.

    Als ich endlich die Augen öffnete, merkte ich, wie hell es bereits war.

    Es war Sonntag. Die Kirchenglocken luden zum Gottesdienst ein und ich lag im Bett.

    Ein überwältigendes Gefühl von Einsamkeit überkam mich, als ich die Decke wegzog und mich aufsetzte.

    Ich schlurfte ins Bad und sah in den Spiegel.

    Die Augenringe wurden immer dunkler.

    Dann nahm ich wieder die Kirchenglocken wahr.

    „War es zu spät?“, überlegte ich.

    Plötzlich ging alles ganz schnell.

    In Windeseile putzte ich mir die Zähne, erledigte das Notwendige und zog mich an.

    Mit offenen Schnürsenkeln sprintete ich zur Tür hinaus und die Straße hinauf.

    Als ich in die Kirche trat, wurde gerade gesungen.

    Ich schloss die schwere Holztür leise und begab mich in die letzte Reihe, wo ich mir ein gelbes Gesangsblatt nahm.

    Eine alte Frau schielte mich skeptisch von der Seite an. Doch schnell widmete sie sich wieder dem Gesang.

    Ich bewegte die Lippen zum Text, wie ich es in der Schule früher getan hatte.

    Als das Lied vorüber war, setzte sich die Gemeinde.

    Die Predigt begann.

    Nach den ersten Sätzen war mein Verstand bereits abgedriftet, eingenommen von der riesigen Jesusfigur, die leblos über dem Pfarrer hing.

    Etwas in den hölzernen Augen sog mich in seinen Bann.

    Es war lange her, dass ich so eine Figur gesehen hatte.

    Derweil drangen vereinzelt Wortfetzen der Predigt in mein Ohr.

    Zwischendrin wurde gesungen.

    Ich stand auf, aber sang nicht.

    Als die Predigt weiterging, beobachtete ich die Leute, die andächtig nach vorn schauten.

    Hier und da begegneten meine Augen dem gelangweilten Blick eines Kindes.

    Ich wusste genau, was in den kleinen Köpfen vorging.

    Vielleicht war ich selbst nie erwachsen geworden.

    Ein neues Lied wurde angestimmt.

    Pflichtbewusst stand ich auf.

    Dieses Mal sang ich sogar ein paar Worte mit, weil ich das Lied als Schüler im Religionsunterricht oft gesungen hatte.

    Doch im Anschluss fielen mir fast die Augen zu.

    Ich hatte ganz vergessen, wie langwierig so ein Gottesdienst sein konnte.

    Erwies ich denn Gott einen Dienst, wenn ich mich langweilte?

    Zum Glück vergingen meine Erwachsenenminuten schneller als die der Kinder.

    Ich sah es in ihren Blicken.

    Für jede Minute, die ich durchstand, mussten sie mindestens 10 aushalten.

    Schließlich erhob man sich für das letzte Gebet.

    Aus Anstand betete ich mit.

    Nach einem kraftvollen Amen begab sich der Pfarrer durch den Mittelgang zur Tür, um die Gemeinde zu verabschieden.

    Reihe um Reihe erhob sich, um ihm zu folgen.

    Ich beschloss, sitzen zu bleiben, bis die anderen die Kirche verlassen hatten und mich dann still und heimlich herauszuschleichen.

    Ich hatte das Gefühl, nicht hier sein zu dürfen.

    Viele neugierige Blicke lagen auf mir, als der Trott an mir vorüberging.

    Allerdings ignorierte ich sie und sah zu Jesus ans Kreuz hinauf.

    Mein Blick wurde starr, ich verlor mich in den Augen des Erlösers.

    Erlöst wurde ich durch eine Hand, die mich sanft an der Schulte anfasste.

    Ich erschrak mich so sehr, dass ich einen erbärmlichen kleinen Laut von mir gab.

    Als ich den Pfarrer hinter mir sah, entschuldigte ich mich sofort für den Fauxpas.

    Er lachte.

    „Ich kenne Sie nicht. Doch es freut mich, ein neues Gesicht zu sehen. Das ist selten heutzutage.“

    „Normalerweise komme ich nicht her. Aus irgendeinem Grund bin ich heute dem Klang der Glocken gefolgt.“

    „Was hat Sie hergeführt?“

    Darauf konnte ich nicht gleich antworten.

    Seit ich vorhin aus dem Bett gestiegen bin, hatte ein Automatismus übernommen.

    Ich hatte gar nicht die Zeit gehabt, mein Verhalten zu reflektieren.

    Wieder sah ich Jesus am Kreuz. Sein Blick verriet mir die Antwort.

    „Ich wollte sehen, wie viel von Gott noch in mir übrig ist.“

    Der Pfarrer hörte meine Worte mit einem geduldigen, gutmütigen Blick an.

    Dann sah auch er zu Jesus hoch.

    Einen Moment schien es so, als würde er eine göttliche Botschaft empfangen.

    Doch war seine Antwort eine sehr menschliche.

    „Hören Sie auf zu suchen und fangen Sie an zu geben. So werden Sie erkennen, dass Gott Sie erfüllt. Er war nie weg.“

    Selbst wenn ich eine passende Antwort darauf gehabt hätte, hätte ich sie wahrscheinlich heruntergeschluckt.

    Denn in der Stille nach der Antwort lag etwas Wahrhaftes.

    Worte waren sinnlos.

    Und so schüttelte ich die Hand des Pfarrers und drückte mit einem Nicken die Bereitschaft aus, über seine Worte nachzudenken.

    Wir verabschiedeten uns mit gegenseitigem Respekt.

    Ich verließ die Kirche.

    Die Sonne schien und Jesus schaute noch immer von seinem Kreuz herab.

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  • Wie sich alles wandelt

    Auf dem Nachhauseweg bin ich an meiner ehemaligen Hausbank vorbeigekommen, die ich längst für eine Direktbank verlassen hatte."

    Ab und zu hob ich dort noch Geld ab, doch ansonsten interessierte ich mich nur für die Immobilieninserate, die in den Schaufenstern aushingen, wenn mein Weg mich zufällig daran vorbeiführte.

    Auch an jenem Tag warf ich wieder einen Blick auf die angebotenen Wohnungen und Häuser.

    Nicht, dass ich mir irgendetwas davon hätte kaufen können, aber sich vor Augen zu führen, was man sich nicht leisten kann, ist besser als Geld auszugeben, das man nicht hat.

    Da war ein Einfamilienhaus in guter Ortslage inseriert. Preis: 1,15 Millionen.

    Das war noch eines der besseren Angebote.

    Was nicht im Inserat stand: Wie viel Geld man zusätzlich in die Sanierung der Bude stecken müsste.

    Am Schaufenster um die Ecke besah ein Pärchen ebenfalls die Aushänge.

    Sie waren vielleicht Mitte 30, im Heiratsalter, bereit für Kinder und Nestbau.

    Er arbeitete wahrscheinlich bei einem der Automobilzulieferer und sie war Lehrerin.

    Das sagte zumindest ihr Äußeres.

    Es war unmöglich, sie nicht zu belauschen, so lautstark, wie sie miteinander sprachen.

    Scheinbar wollte sie unbedingt ein Haus kaufen, doch er erwiderte nur die ganze Zeit: „Wir können uns das nicht leisten.“

    Aus irgendeinem Grund musste ich in diesem Moment an meine Kindheit zurückdenken, als einer meiner Klassenkameraden in der Grundschule mit seinen Zukunftsplänen geprahlt hatte.

    Er wollte zur Polizei gehen.

    Dort konnte man 50.000 Euro im Jahr verdienen, erzählte er damals großspurig.

    Uns anderen sackte die Kinnlade bis auf die Klettverschlussschuhe.

    Der Kerl hatte das Spiel des Lebens durchgespielt, bevor er überhaupt über Los gegangen war.

    Unmöglich, dass jemand so viel Geld besitzen könnte.

    Damals galt man noch etwas, wenn man 2 Euro in der Tasche hatte.

    Als es dann Richtung Studium ging, konnte ich über diese Vorstellung von „reich“ nur noch schmunzeln.

    Jetzt sprach jeder davon, dass man später mal mehr als 100.000 Euro verdienen müsste, um gut über die Runden zu kommen und dass das nur mit dem richtigen Abschluss umsetzbar war.

    „1,2 Millionen für 6 Zimmer?!“, rief der Typ ungläubig.

    „Nicht mal, wenn ich 150.000 Euro im Jahr verdienen würde, könnten wir uns das leisten.“

    Frustriert machte er kehrt und lief davon, sie folgte einen Moment später, holte auf und begann die Diskussion erneut.

    Ich hörte zu, bis die beiden ums Eck verschwunden waren.

    Dann stöberte ich noch ein wenig.

    Eine Einzimmerwohnung für 238.000 Euro verpasste mir den Rest.

    Ich wandte mich vom Schaufenster ab und lief Richtung Busbahnhof.

    Vorne an der Eisdiele blieb ich stehen.

    Aus irgendeinem Grund verlangte mein Gehirn nach einem schnellen Kick und die billigste und schnellste Option, diesen zu bekommen, war ein Eis.

    Vor mir in der Schlange sah ich zwei bekannte Gesichter.

    Das Pärchen, das sich kein Eigenheim leisten konnte, diskutierte jetzt nicht mehr über Häuserpreise, sondern über Eisgeschmäcker.

    Als die beiden an der Reihe waren, bestellten sie fünf Kugeln Eis.

    Vier für ihn und eine für sie.

    Jetzt, wo er das Haus nicht abstottern musste, konnte er die ganze Eisdiele leerkaufen.

    Ich ließ sie ziehen mit ihrem Eis und bestellte je eine Kugel Schoko und Vanille.

    Dann setzte ich mich auf eine Bank am Flüsschen und freute mich, dass wenigstens der Eisdielenbesitzer von den horrenden Häuserpreisen profitierte.

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  • Und so entkommen wir doch…

    Mauern, plötzlich waren da überall Mauern. Eingesperrt für etwas, von dem ich nicht mal sicher war, ob ich es gewollt hatte."

    Nichts zu machen. Beton, Stahl und Plastik, das war mein neues Zuhause. Die Einrichtung steril, die Menschen vulgär. Halunken, Gauner und Diebe, mein neuer Umgang.

    Jeder Tag so durchstrukturiert, durchnummeriert, durchgetaktet, dass man fürchten musste, seine Menschlichkeit zu verlieren. Die Struktur machte die Tage erträglicher, doch die Jahre zäher.

    Nie Abwechslung, nie Spontanität. Folge leisten, nach unten schauen und buckeln. Eines Tages hörte ich von einem Plan. Ein paar der Jungs planten einen Ausbruch.

    Durch Netzwerken gelang es mir, in den Kreis der Verschwörer zu kommen. Ich wurde in die Details eingeweiht und sollte mich bedeckt halten.

    Eines Nachts kam das Signal, ein leises Pfeifen durch die Finger. Ich stand bereit. Plötzlich ging alles ganz schnell. Die Türriegel sprangen auf wie von Geisterhand. Von jetzt an 5 Minuten.

    Den Weg war ich zigtausend Mal im Kopf abgegangen. Jeder Schritt saß. Tür um Tür öffnete sich, als wäre ich ein freier Mann. Dann der Alarm, wie angekündigt. Jetzt schnell sein oder für immer hier drin versauern.

    Die Tür zum Hof und dann hinaus in die Nacht. Das große Tor stand offen. Wir waren vier. Einer fehlte. Es wurde beschlossen, nicht zu warten. Und hinaus in die Dunkelheit.

    Hinter uns war der Alarm noch deutlich zu hören. Doch wir wurden nicht verfolgt. Ließen sie uns einfach so davonkommen? Die Freiheit schmeckte zu gut, um stutzig zu werden.

    Wir rannten eine kleine Straße entlang, die links und rechts von offenem Grasland umgeben war. In der Ferne waren keine Lichter zu sehen. Runter von der Straße, rein in die Finsternis.

    Die Beine brannten. So schnell war keiner von uns jemals gerannt. Nach einer Weile gelangten wir an einen hohen Zaun. Oben war Maschendraht angebracht. Unüberwindbar.

    Einer wollte es versuchen. Wir hörten seine Schreie, als wir weiter am Zaun entlangliefen, um eine Öffnung zu finden. Keine Zeit für Mitleid, nur die Flucht nach vorn.

    Der Zaun schien unaufhörlich zu sein. Um uns herum gab es sonst keine Struktur, nur flaches, mit Gras bewachsenes Land, wohin man auch schaute.

    Schließlich gelangten wir an ein Tor, das die einzige Öffnung im Zaun zu sein schien. Es war der Zugang zu einer Brücke, die über einen ruhigen, kleinen Fluss führte.

    Am anderen Ende des Flusses das gleiche Bild wie hier drüben. Leere, schwarze Ödnis. Einer beschloss rüber zulaufen. Ich und ein anderer sprangen ins Wasser und schwammen. Wir waren genug gelaufen.

    Die Strömung trug uns mit. Nachdem wir glaubten, einige hundert Meter zurückgelegt zu haben, sahen wir einen Steg. Wir kletterten an ihm hoch aus dem Wasser. Und dann rannten wir.

    Ehe wir es uns versahen, standen wir in einem großen Innenhof. Ums uns herum Mauern. Wieder Mauern. Dann scharfe Waffen, Schreie, das Klicken der Handschellen.

    5 Minuten später saßen wir in einem Verhörraum. Die anderen waren auch da. Die Flucht in die Freiheit hatte uns wieder in die Gefangenschaft geführt.

    Es war schwer, der Verzweiflung nicht zu erliegen. Sie teilten uns auf, die gesichtslosen Männer. Jeder folgte einem anderen, jeder bekam eine andere Zelle zugeteilt.

    In meiner saß ein Mann, völlig zerzaust, lange, wilde Haare, strenger Körpergeruch. Er verharrte im Schneidersitz, hatte die Augen geschlossen. Kein Hallo, ich stieg ins Bett und schlief.

    Ein Traum von einem erfolgreichen Ausbruch. Nur ein Traum.

    Beim Öffnen der Augen wieder die Zelle. Ich sah den verrückten Mann meditieren. Es gab Frühstück. Er kam mit uns anderen mit, aber kommunizierte nur durch seine Ausstrahlung.

    Aufgrund des Ausbruchsversuchs hatte ich keinen Ausgang nach dem Essen. Mein Mithäftling wollte nicht raus. Also saßen wir zusammen in der Zelle. Er meditierend, ich grübelnd.

    Die Aussichtslosigkeit meiner Lage ließ mich verzweifeln. Ich schlug ein paar Mal heftig gegen die Wand. Mein Zellengenosse blickte nicht mal auf. Er war woanders.

    Die Hand blutete. Ich legte mich hin, grämte mich, hasste mich, verfluchte das Gefängnis und dieses verdammte Leben.

    Nachdem sich meine Wut einige Stunden später gelegt hatte, musterte ich eine Weile das menschliche Haarknäuel. Er war still wie ein Grab, verzog dabei keine Miene.

    Mein Blick wanderte immer wieder von den grauen Mauern zu ihm und zurück. Schließlich setzte ich mich aufrecht hin, lehnte den Rücken an die Wand, kreuzte die Beine und schloss die Augen.

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  • Nicht dafür

    Ich wusste nicht, wohin mit mir. Also versteckte ich mich in einer Kneipe. So, wie früher. Es war später Nachmittag und kaum ein Platz besetzt."

    Ich hockte mich an den Tresen, bestellte ein Bier und spielte mit dem Untersetzer, den der Barmann mir hingeworfen hatte, während ich wartete. Dann mein frisch gezapftes Bier. Der erste Schluck ist immer der beste. Keiner danach kommt an ihn heran.

    Der Barmann und ich waren allein am Tresen. Im Nebenraum spielten zwei Gestalten an den Automaten. In der Ecke saß ein dicker alter Mann und las Zeitung. Alles, was darin stand, wusste ich schon seit gestern. Die Bürde meiner Generation.

    Ich fuhr mir durchs lichter werdende Haar, dann seufzte ich schwerfällig. Was los sei, wollte der Barmann wissen. Die Last der Entscheidungen. Bleiben oder gehen. Ein Dilemma. Ausweg nicht ersichtlich! Was jetzt? Erst mal Bier und dann weitersehen.

    Barmänner sind schlecht bezahlte Therapeuten. Er wusste direkt Bescheid. Ich war vielleicht der eine Millionste, der mit demselben Problem an seinem Tresen hing. Sein Vorschlag: Eine Münze werfen. Warum nicht? Sollte das Universum über mich richten.

    Er fischte ein Zwei-Euro-Stück aus dem Trinkgeldglas und hob es mir vor die Nase. Bei Kopf bleiben, bei Zahl gehen. Ich nickte. Es war ganz egal, wie rum man es spielte. Der Barmann war schon drauf und dran, die Münze in die Luft zu schnippen, als er mich ansah und innehielt. „Hier, wirf du sie!“

    Ich nahm das fettige Geldstück in die Hand, lehnte mich auf dem Hocker zurück und schleuderte es mit dem Daumen in die Luft. Die Münze flog wie in Zeitlupe durch den Dunst, der im Raum hing. Für einen Moment schien sie stehen zu bleiben, bevor die Schwerkraft sie wieder nach unten zog.

    Plötzlich ein Windstoß von der Seite. Eine Hand, sie trifft die Münze im Fall und schleudert sie geradewegs in die Ecke. Mein erstaunter Blick, das Grinsen des Barmanns. Was das soll. Was ich mir gewünscht hätte. Worauf ich innerlich gehofft hätte. Kopf oder Zahl?

    Zahl. Natürlich war es Zahl. Dann sei die Sache jetzt klar, sagte der Barmann und ging pfeifend nach hinten in die kleine Küche, um die Spülmaschine auszuräumen. Ich? Erstaunt, erleichtert. Neugierig, was die Münze, die in der Ecke lag, wirklich zeigte. Aber es war egal.

    Ich hatte mich entschieden. Schnell trank ich aus. Ein Fünfer für das Bier, ein weiterer für die Konsultation. „Danke“, schrie ich in die Küche und machte mich auf den Weg. „Nicht dafür!“, hörte ich den Barmann noch rufen.

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  • Wir beide wussten nicht

    Es war eine dieser Nächte, die viel zu schnell enden. Und weil ich sie noch ein bisschen in die Länge ziehen wollte, nahm ich einen großen Umweg nach Hause."

    Der Weg, für den ich mich entschied, führt am Fluss entlang durch ein Wohngebiet, das nahtlos in ein Industriegebiet übergeht und schließlich in Äckern mündet. Dort, weit draußen gelangt man über eine kleine Fußgängerbrücke wieder zurück in die Stadt.

    Es war mild geworden, aber noch nicht kalt. Die kühle Luft half mir, mich auf die Schönheit der Nacht zu fokussieren. Alles lag so still und verlassen da. Nur vereinzelt waren noch ein paar Menschen und Autos unterwegs. Ich sog alle Eindrücke in mich auf, um möglichst lange von diesen besonderen Erinnerungen zu zehren.

    Nach einer Weile gelangte ich an eine Bushaltestelle. Schon von weitem hatte ich gesehen, dass dort jemand saß. Wahrscheinlich nur ein Betrunkener, der seinen Rausch ausschläft, hatte ich zunächst gemutmaßt.

    Doch je näher ich kam, desto weniger achtete ich auf die Silhouette der Person, sondern mehr auf die Geräusche, die sie von sich gab. Sie war unüberhörbar am Schluchzen, was mich nervös werden ließ. Eigentlich hatte ich nicht gedacht, heute nochmal mit jemandem interagieren zu müssen.

    Als ich aber vor der Bushaltestelle stehen blieb, gab es kein Zurück mehr. Jetzt erst erkannte ich, dass es sich nicht um einen Betrunkenen handelte, sondern um ein junges Mädchen von vielleicht 20 oder 21 Jahren, das auf die Bank gekauert saß und mit verweintem Gesicht auf ihr Smartphone starrte.

    Sie war von unten bis oben in Designerklamotten gekleidet. Neben ihr stand eine große Reisetasche mit einem bekannten Logo. Ihre ganze Erscheinung raubte mir für einen Moment die Worte. Sie hatte mich indes noch nicht bemerkt. So blieb mir etwas Zeit, um mich zu sammeln, bevor ich sie fragte, ob sie Hilfe braucht.

    Langsam neigte sich ihr Kopf nach oben. Vielleicht hatte sie mich doch bemerkt, sonst hätte sie sich wahrscheinlich erschrocken. Mit glasigen braunen Augen sah mir direkt ins Gesicht. Dann scannte sie mich von oben nach unten und von unten nach oben ab. Sie überlegte kurz und sagte schließlich sehr leise: „No sé.“

    Der Spanischunterricht lag zwar einige Jahre zurück, aber das verstand ich noch. Mit aller Mühe kratzte ich ein paar spanische Vokabeln zusammen und versuchte sie erneut zu fragen, ob sie Hilfe braucht.

    Dieses Mal sah sie mich etwas länger und mit einem prüfenden Blick an. Eine Antwort aber erhielt ich nicht. Wahrscheinlich hatte sie Angst vor mir. Ich ging in die Knie und lächelte. Dann fragte ich sie erneut in meinem gebrochenen Spanisch, ob ich ihr helfen kann. Doch sie sagte nur wieder „No sé.“

    Sie sprach sehr leise mit einer sanften, weichen Stimme. Ihr Gesicht war hübsch, doch es war ausgezehrt. Was auch immer sie durchgemacht hatte, es hat seine Spuren hinterlassen. Als sie merkte, dass ich ihr nichts Böses will, lächelte sie ebenfalls.

    Auf ihr Lächeln folgte ein kleiner Redefluss, dem ich kaum folgen konnte. Dabei zeigte sie immer wieder auf ihr Smartphone und deutete mit dem Kopf die Straße hinunter. Ich verstand nur einzelne Wörter, die zusammengenommen aber keinen Sinn ergaben. Als sie fertig war, lächelte ich verlegen. Dieses Mal war ich derjenige, der sagte: „No sé.“

    Das brachte sie kurz zum Lachen. Allerdings nur für einen Augenblick. Die Traurigkeit kehrte direkt wieder zurück. Ich zuckte mit den Schultern und versuchte ihr in Spanisch mitzuteilen, dass alles gut sei. Sie hob die Augenbrauen, als würde sie mich nicht verstehen oder meine Worte keinen Sinn ergeben.

    Daraufhin blickten wir uns eine Weile still in die Augen, als würden wir darin die Antworten finden, die wir beide suchten. Irgendwann schmerzten meine Knie und ich deutete an, dass ich mich neben sie setzen möchte. Sie nickte.

    Ich interpretierte das als ein Ja und ließ mich auf dem Sitz neben ihr nieder. Sie schaute mich lange von der Seite an und atmete schließlich resigniert aus. Dann blickte sie wieder nach vorn über die Straße hinweg auf den Fluss, der nahezu geräuschlos an uns vorbeifloss.

    Da ich nicht wusste, was ich tun sollte, schaute ich ebenfalls zum Fluss hinüber. Und so saßen wir beide nun da und starrten vor uns in die Nacht. Ab und zu sagte einer von uns ein paar Worte, die der andere nicht verstand, aber mit stillem Einverständnis in sich aufnahm.

    Als es kälter wurde, begann das fremde Mädchen zu frösteln. Ich gab ihr meine Jacke. Sie sagte kaum hörbar „Gracias“.

    Nachdem wir eine ganze Weile ohne ein weiteres Wort zu sagen dagesessen hatten, hörte ich sie irgendwann leise und gleichmäßig atmen. Ich schaute rüber und sah, wie ihr Kopf gegen die Glasscheibe gelehnt war und ihre Hände das Smartphone aus ihrem festen Griff gelöst hatten. Es war auf ihren Schoß gerutscht.

    In diesem Moment fragte ich mich, was ich hier eigentlich tat. Inzwischen war es kalt geworden und ohne Jacke begann ich leicht zu zittern. Ein bisschen bereute ich es, dass ich den Umweg eingeschlagen und nicht auf direktem Weg nach Hause gelaufen war. Aber dann ergriff mich die Hilflosigkeit dieses Mädchens wieder und ich dachte, es war alles so gekommen, wie es sollte.

    Auf dem Dach der Bushaltestelle hörte ich plötzlich einige dicke Regentropfen aufschlagen. Dann sah ich, wie sich auch auf dem Asphalt kleine Punkte bildeten. Ehe ich es mir versah, ergoss sich ein monsunartiger Regenschauer über die Straße.

    Zu meinem Glück war das Haltestellenhäuschen an den Seiten und von hinten mit einer Glaswand umzogen. Ich zog die Füße auf den Sitz und sah dem Regen zu. Meine neue Bekanntschaft bekam davon überhaupt nichts mit. Sie schlief so seelenruhig, dass man hätte meinen können, sie hätte gerade einen Wellnesstag hinter sich.

    Durch den Regen wurde es noch kälter. Ich zog die Beine so nah ich konnte an mich und umschloss sie mit beiden Armen. Meinen Kopf legte ich auf meinen Knien ab und sah dem Regen zu.

    Das monotone Prasseln auf dem Dach über mir und dem Asphalt sowie die Mattigkeit eines langen Tages machten es mir immer schwerer, die Augen offen zu halten.

    Eine Weile noch konnte ich mich vom Einschlafen abhalten, doch irgendwann übermannte mich die Müdigkeit. Meine Augen fielen zu.

    Ein gleichmäßiges Motorbrummen weckte mich wieder auf. Ich schreckte hoch und sah mich um.

    Es war immer noch dunkel, der Regen donnerte weiter erbarmungslos auf die Erde. Vor mir stand ein Bus mit geöffneter Tür. Der Fahrer rief mir zu, ob wir mitfahren wollen.

    „Warum wir?“ Dann fiel es mir wieder ein. Sofort suchte ich das Mädchen, das vorhin so unbekümmert neben mir geschlafen hatte. Sie war noch da.

    Anders als ich, kehrte sie erst jetzt aus dem Reich der Träume zurück. Erschrocken schaute sie zunächst mich an, dann den Bus. Plötzlich rief sie irgendetwas auf Spanisch und sprang aufgeregt auf.

    Sie packte ihre Tasche und rannte los. Für den Bruchteil einer Sekunde war sie dem Regen ausgesetzt, doch es reichte, um ihr schwarzes Haar ordentlich einzunässen.

    Als sie im Bus stand, drehte sie sich nochmal um und fragte auf Spanisch, ob ich komme. Ich sagte auf Deutsch, ich müsse in die andere Richtung. Sie schüttelte den Kopf und sagte nur wieder „No sé.“

    Dann sagte sie irgendetwas auf Spanisch, das ich nicht verstand. Wieder fiel mir nur ein „No sé.“ Wir beide wussten nicht. Also schauten wir uns noch einmal tief in die Augen, bevor sie nach hinten lief und sich in die letzte Reihe setzte.

    Der Busfahrer fragte mich erneut, ob ich nicht wenigstens mit bis zum Busbahnhof fahren wollte. Aber ich wusste nicht, wo ich hin wollte. Als er kapierte, dass er keine Antwort mehr bekommen würde, schloss er die Tür und fuhr los.

    Jetzt stand auch ich auf, weil ich sie ein letztes Mal sehen wollte. Als der Bus vorbei fuhr, kreuzten sich unsere Blicke. Und als er mich hinter sich gelassen hatte, drehte sie sich auf ihrem Sitz um und blickte mich mit ihren traurigen Augen an.

    Sie hob die rechte Hand zum Abschied. Und ich winkte zurück. Der Bus fuhr weiter, sie wurde immer kleiner. Und als er schließlich um eine Ecke bog, war sie weg. Ich verstand nicht, was gerade passiert war. Sie war weg und mit ihr meine Jacke.

    Meine Jacke war weg.

    Aber was für eine Rolle spielte das schon?

    Denn …

    sie war weg.

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  • Der Seelensucher

    Am Ende meiner Straße führt ein kleiner Weg in den Wald. Folgt man diesem Weg gelangt man bald an die Einmündung einer alter Zufahrtsstraße, die nicht mehr genutzt wird. Wen der Wildwuchs, der aufgerissene und mit Dreck und toten Blättern überdeckte Asphalt und ein paar umgefallene Bäume nicht stören, der kann dort hinein gehen. Die Straße führt etwa einen Kilometer in den Wald hinein zu einem verlassenen Steinbruch, der mit Bauzäunen abgesperrt ist. Vor dem Steinbruch ist eine große Wendeplatte mit einem alten Haltestellenhäuschen. Ein paar der Scheiben wurden eingeworfen, aber das Dach und die aus Beton gegossene Bank haben den Launen der Natur bislang standgehalten."

    Eines Tages saß ich auf dieser Bank, hatte dort Schutz vor einem einsetzenden Regenschauer gesucht und beobachtete die schieren Wassermassen, die vor mir auf den Asphalt fielen. Hätte ich nicht gewusst, dass es hinter den Bäumen eine Stadt mit beheizten Zimmern gab, hätte ich diese zwei Quadratmeter für die letzte verbliebene trockene Landmasse auf der Erde gehalten. Der Regen hat die Eigenschaft, die Gedanken von allem wegzunehmen, auf das er fällt. Und so lag mein Fokus ganz in mir. Für eine Weile war es ganz still.

    Doch plötzlich spürte ich ein Kribbeln auf meiner Hand. Ich zog den Jackenärmel zurück und sah, dass dort etwas saß. Es war nicht größer als eine Ameise. Schon wollte ich das Insekt wegpusten, als mir auffiel, dass es sich um etwas anderes handelte. Ich führte die Hand zu meinen Augen, denen sich selbst bei ganzer naher Betrachtung des Wesens nicht trauen wollte. Da stand ein winziges kleines Männlein auf meiner Hand, das mir zuwinkte. Es sah aus wie ein Strichmännchen, das sich von einem Stück Papier erhoben hat und zum Leben erweckt war. Das kleine Männlein gestikulierte mit seinen Armen, zeigte immer wieder auf sein nicht vorhandenes Ohr.

    Was ist das und was will es von mir?

    Nach kurzem Überlegen ging mir ein Licht auf. Ich zog die Hand ganz nahe an mein linkes Ohr heran. Dann spürte ich, wie das Männlein einen Satz machte und in meinen Gehörgang sprang. „Hörst du mich jetzt?“, rief eine piepende Stimme.

    „Ja!“, antwortete ich erstaunt. „Wer oder was bist du?“, fragte ich den Mann in meinem Gehörgang.

    „Ich bin ein Seelensucher. Wenn du willst, finde ich deine Seele für dich. Du scheinst sie ja verloren zu haben.“

    „Meine Seele willst du suchen? Meine Seele ist nicht verschwunden. Sowas gibt es doch überhaupt gar nicht!“

    „So? Und wann war das letzte Mal, als du etwas so richtig gespürt hast?“

    „Das war …Ich kann mich nicht erinnern.“

    „Deine Seele ist irgendwo da drin verloren gegangen und ich kann dir helfen, sie zu finden. Gibst du mir den Auftrag?“

    „Erstens: Wie willst du das anstellen? Zweitens: Was muss ich dafür tun?“

    „Das ist ganz simpel. Ich gehe in deinen Körper und suche deine Seele. Dafür verlange ich nichts. Die Seelensuche ist meine Belohnung.“

    „Du willst in mich hineingehen? Die Seele – wenn es sie geben sollten – ist doch nichts Physisches, was im Körper verlorengehen kann.“

    „Ich habe schon viele Seelen wiedergefunden. Sie waren alle tief im Körper versteckt. Also stimmst du zu oder willst du weiter wie ein Stein leben?“

    Der Regen hämmerte noch immer auf die Wendeplatte. Am Himmel war kein Zeichen von einem Wetterumschwung zu sehen. Was hatte ich zu verlieren?

    „Dann mach schon! Na los!“

    „Wie du willst.“

    Ehe ich realisieren konnte, was geschah, war das Männlein bereits an der Seite meines Gesichts entlang auf meine Nase geklettert und in meinem linken Nasenloch verschwunden. Es fühlte sich an, als würde man eine Stechmücke einatmen. Aber er als er drin war, bemerkte ich zunächst für einige Augenblicke nichts mehr. Dann spürte ich mit etwas zeitlichem Abstand überall unter meiner Haut kleine Sensationen wie zarte Berührungen. Er musste wirklich meinen ganzen Körper absuchen, dachte ich.

    Je länger das Männlein dort drin war, desto mehr schwand mein Gefühl für die Zeit. Ich saß nur da und starrte durch den Regen hindurch auf den alten Steinbruch, während in mir drin immer mal wieder eine zufällige Stelle ein Signal gab, das dort jemand unterwegs war. Nach einer Weile regte sich dann etwas. Zunächst spürte ich ein Ziehen in der Bauchregion, das sich kurz darauf in eine Art Sog verwandelte und schließlich ins Gegenteil verkehrte. Plötzlich strömte aus meinem Bauch eine unfassbar gewaltige Energie heraus, die sich in Sekundenschnelle durch meinen Körper verteilte. Ich war so voller Energie, dass ich aufstehen musste. Mein ganzer Körper glühte, als hätte er Fieber. Doch es war ein angenehmes Fieber. Ein heilendes Fieber.

    Plötzlich musste ich kräftig niesen. Geistesgegenwärtig hob ich noch die Hand vor den Mund. Und siehe da. Neben ein paar Speicheltropfen lag dort das kleine schwarze Männlein in meiner Hand. Nachdem es sich aufgerichtet hatte, zeigte es wieder auf mein Ohr. Erneut ließ ich es in meinen Gehörgang hüpfen.

    „Ich habe sie gefunden!“

    „Und wo war sie?“

    „Ganz tief in deinem Verstand versteckt.“

    „Ich fühle mich so anders.“

    „Das ist der Effekt. Machen wir den Wassertest!“

    „Den Wassertest?“

    „Streck deine Hand in den Regen!“

    Ich befahl dem kleinen Seelensucher und streckte meine rechte Hand aus.

    „Ich fühle den Regen. Und jetzt?“

    „Du fühlst den Regen!“

    „Ja, und?“

    „Du hast als Erstes gesagt, dass du den Regen fühlst. Nicht, dass du nass wirst.“

    Wie ich das hörte, dachte ich plötzlich an meine Kindheit zurück. Genau genommen an einen Tag, als ich beim Spielen mit Freunden draußen von einem raschen einsetzenden Sommerregen überrascht wurde. Und genau so fühlte es sich jetzt wieder an.

    „Es ist wieder da! Ich spüre mich wieder.“

    „Ich sehe es den Menschen an, wenn ihre Seele verschollen ist.“

    „Wie kann ich dir nur jemals danken?“

    „Pass von nun an besser auf deine Seele auf.“

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  • Das wird schon, Kind

    Bin ich wach, um am Handy zu sein. Oder ich bin wach, weil ich am Handy bin? Ich weiß es nicht. Während ich durch nie aufhörende Posts und Bilder scrolle, stelle ich fest: „Meine Freunde haben eine harte Zeit.“ Alle posten Fake-Scheiß, um für einen Moment zu flüchten.

    Ich lege das Smartphone weg und starre auf ein allumfassendes Schwarz. Der Bildschirm meines Handys wird dunkel, langsam zeichnet sich die Silhouette meines Zimmers im nächtlichen Licht ab. Ich will das alles nicht sehen. Also nehme ich das Handy wieder und poste: „Wir haben die Kindheit und dann beginnt die andere Hälfte unserer Lebens.“"

    Warte und aktualisiere. Warte und aktualisiere. Plötzlich erscheint ein Kommentar. „Ich wäre lieber erwachsen als ein Kind!“, hat jemand geantwortet. Auf den ersten Blick erkenne ich weder den Namen noch das Profilbild. Irgendeine verwilderte Katze mit nur einem Auge. Wohl nur ein Spinner …

    Ich klicke auf das Profil und spioniere die einäugige Katze erst mal gründlich aus. Es ist ein Er. Aber tatsächlich scheint er ein Kind zu sein. „Was hat so ein Hosenscheißer auf dieser Plattform verloren?“, denke ich. „Und warum kommentiert er meinen Post?“. Sein Profil ist voller zufälliger Schnappschüsse, die das Chaos in einem Kinderkopf widerspiegeln. Irgendwelche Spielsachen, Katzen, viele Katzen, noch mehr Hunde, ein paar schlecht gekritzelte Genitalien … Aber kaum Fotos von ihm selbst.

    Sehr weit unten finde ich dann aber doch eines. Ich klicke das Bild an und zoome rein. Mit einem Mal beschleunigt mein Herz auf 180. „Was zur Hölle?!“. Dieser Wichser hat ein Bild von mir gestohlen. Unverkennbar bin ich das als kleiner Junge, der da auf dem Foto zu sehen ist. Mit wahrscheinlich 8 oder 9 Jahren.

    Schon will ich dem Kerl schreiben, aber dann fällt mir ein Detail ins Auge. Das Foto wurde vor einem Spiegel aufgenommen, mit einem iPhone. Als ich 8 Jahre alt war, hat Apple noch hässliche graue Heim-PCs hergestellt. Das iPhone war damals, wenn überhaupt, nur eine Idee in Steve Jobs Kopf.

    Sofort denke ich an Künstliche Intelligenz. Da muss mich jemand gestalkt haben, um mir einen Streich zu spielen. Ich kehre auf das Profil zurück und scrolle weiter runter. Dort entdecke ich immer weitere Bilder von diesem Kind, das 1 zu 1 aussieht wie ich als Junge. Ist das nur ein Zufall? Hat nicht jeder Mensch einen Doppelgänger?

    Doch die Ähnlichkeit ist zu auffällig, der Junge hat sogar die kleine Narbe im Gesicht, die von einer misslungenen Kletteraktion im Wald stammt. Ich fasse mir an die Wange. Da ist sie. Das kann unmöglich wahr sein! Je weiter ich scrolle, desto mehr glaube ich, wahnsinnig zu werden. Ich weiß von der Macht der KI, aber mir war nicht bewusst, dass die Programme mittlerweile so gut sind.

    Schluss damit! Ich werde diesem Bengel jetzt schreiben. Etwas stimmt hier nicht. Ich öffne eine persönliche Nachricht und will zu tippen beginnen. Doch plötzlich ist da eine absolute Leere in meinem Kopf. Wo gerade Ungläubigkeit und Wut waren, ist jetzt nur noch Mitgefühl.

    Ich erinnere mich an meine Kindheit. Auch wenn ich ständig in Nostalgie zurückblicke, kann ich mich noch ganz genau daran erinnern, wie beschissen es oft war, ein Kind zu sein. Nicht ernstgenommen zu werden, von allen nur herumkommandiert und äußeren Zwängen ausgesetzt.

    Wem auch immer dieses Profil gehört, ich kann ihm nicht böse sein. Das einzig Sinnvolle, was mir einfällt, ist: „Das wird schon, Junge. Da gibt es Dinge, die du noch nicht verstehst und andere, die du nie verstehen wirst. Aber das ist in Ordnung. Du wirst okay sein. Versprochen!“ Ich schicke die Nachricht ab, lege das Handy auf den Nachttisch und laufe zur Balkontür. Ich habe das starke Bedürfnis, den Mond zu sehen.

    Als Kind habe ich als Zeitvertreib oft einfach nur in den Himmel geschaut. Die Sonne und der Mond, die Wolken und die Sterne, die Flugzeuge und Vögel, der Regen und Schnee – das alles war genug. Und wie ich zum Mond hochblicke, sehe ich nicht den Mond dieser Nacht, ich sehe denselben Mond, den ich als Kind gesehen habe. Und er ist genug. Ich bleibe lange so stehen und beobachte das Geschehen am Nachthimmel.

    Irgendwann schließe ich die Tür wieder und kehre ins Bett zurück. Ich nehme mein Handy vom Nachttisch und checke meine Nachrichten. Ich habe eine Antwort erhalten: „Du bist schon alles, was ich jemals sein wollte.“ Während ich die Worte lese, überkommt mich eine selige Müdigkeit und ich schlafe unvermittelt ein.

    Am nächsten Morgen erwache ich aus einem traumlosen Schlaf. Ich bin verwirrt, aber dann trifft es mich wie der Blitz. Ich wühle nach meinem Handy unter der Decke, finde es und entsperre den Bildschirm. Die Nachricht ist noch da! Doch das Profilbild ist weg. Das kann nicht sein! Ich klicke auf das Profil und lese mit rasendem Herzschlag: „Person nicht gefunden.“

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  • Ich jage einen Geist

    Der Vollmond schien mir direkt in mein Gesicht. Mein Körper muss wohl gedacht haben, die Sonne geht auf, als er mich aus einem sanften Traum aufweckte. Trotz der Dunkelheit konnte ich jeden Gegenstand in meinem Schlafzimmer erkennen. Es war stickig, ich lief rüber zum Fenster und ließ die kalte Nachtluft einströmen. Ich musste genau in dem Zeitfenster aufgewacht sein, in dem die Nachtschwärmer bereits im Bett waren und die Frühschichtler noch nicht das Haus verlassen haben. Die Straßenlampen und der Vollmond erhellten einen leeren Gehweg. Mein Blick folgte der Straße runter bis zur großen Kreuzung. Kein Auto weit und breit zu sehen. Nur die Preisauskunft der Tankstelle leuchtete in rotem Neonlicht. Dann lenkte ich meinen müden Blick in die andere Richtung bergauf. Auch dort war niemand unterwegs."

    Als ich schon dabei war, das Fenster wieder zu schließen, sah ich an der Bushaltestelle gegenüber eine schwarze Gestalt und erschrak mich so sehr, dass ich unweigerlich einen Schritt zurückwich. Es sah so aus, als würde die Person direkt zu mir hochsehen. Doch ich konnte ihr Gesicht nicht erkennen. „Ist das überhaupt ein Mensch?“, schoss es mir in den Kopf. Ich kniff die Augen zusammen, um sicherzugehen, dass ich nicht einer optischen Täuschung zum Opfer gefallen war. Doch nein, da stand jemand und sah genau zu mir hoch. Ein flaues Gefühl überkam mich und meine Beine wurden schwer. Für einen Traum war das alles viel zu real, dachte ich. Die Person hatte sich kein Stück bewegt, seitdem ich sie entdeckt hatte. Ich wollte sie anschreien, was ihr eigentlich einfiel, mich hier so anzustarren. Aber ich traute mich der Nachbarn wegen nicht. Dann eben unten auf der Straße!

    Ich lief rüber zu meinem Klamottenstuhl, schnappte mir eine Hose und ein Sweatshirt, dann ging ich erneut zum Fenster. Die Person war immer noch dort. Ich schloss das Fenster, ging in den Flur, zog Schuhe an und öffnete die Wohnungstür. „Will ich das wirklich?“, fragte ich mich noch einmal. „Wäre es nicht besser, ins Bett zu gehen?“ Zu spät! Ich würde diese seltsame Person jetzt zur Rede stellen. Entschlossen eilte ich die Treppen hinunter, riss die Eingangstür mit etwas zu viel Elan auf, sodass sie gegen die Wand knallte und trat ins Freie. Mein Blick fiel sofort auf die Bushaltestelle gegenüber. Ich sah nur, wie ein Schatten sich erhob und losflitzte. Ich hastete hinterer. Wir rannten bergauf. Der Gehweg und die Straße waren noch nass vom Regen am Vorabend. Überall hatten sich große Pfützen gebildet. Während meine Schritte wie Hammerschläge durch die leeren Straßen hallten, gingen von dem Verfolgten keinerlei Geräusche aus. Ich zog das Tempo an, doch meine Kondition hatte in den letzten Monaten stark nachgelassen. Die Tatsache, dass wir bergauf rannten, war dabei nicht von Vorteil.

    Zu meinem Glück bog die Gestalt irgendwann links ab. Dort verlief die Straße eben am Rand des Hügels entlang. Ich witterte meine Chance und stellte ihr hinterher. Sie lief direkt vor mir auf der Straße. Nur noch wenige Meter trennten uns voneinander. Vor lauter Fokus auf die Gestalt hatte ich gar nicht auf den Boden unter mir geachtet. Plötzlich merkte ich, dass ich mit dem rechten Fuß in Wasser trat. Ich dachte, es wäre eine Pfütze, doch mein Fuß fand keinen Grund. Bevor ich realisierte, was passiert war, war es bereits zu spät. Ich fiel in ein tiefes Wasserloch und sank nun immer weiter hinein. Um mich herum war alles pechschwarz. Über mir konnte ich noch verschwommen den Vollmond erkennen, der durch das Loch in der Straße schien. Je tiefer ich sank, desto mehr fühlte es sich an, als würde ich fallen. Und dann fiel ich tiefer und tiefer, ohne einen Abgrund zu sehen. Ein Oben gab es aber auch nicht. Kein links, kein rechts, nur ewiges Schwarz und ich mittendrin. Und dann wurde es mir klar: Ich jagte einen Geist. Plötzlich wachte ich im Bett auf, mein Oberkörper schnellte reflexartig nach oben und ich spuckte einen Strahl Wasser an die Wand.

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  • Ein Objekt, das nur ist

    Auf ihn ist Verlass. Wenn auch sonst nichts klar ist in der Welt, dann wenigstens, dass er hier sitzt. Er ist ein Objekt, das nur ist. Wenn man ihn anschaut, könnte man meinen, man beobachtet eine Statue. Stundenlang kann er da hocken und über die Theke hinaus auf die Gleise schauen. Währenddessen trinkt er sein Bier in fein abgestimmten Schlucken. Würde man mit dem Lineal messen, würde man wahrscheinlich feststellen, dass sich der Inhalt des Glases jedes Mal um genau einen Zentimeter verringert."

    Sein Blick ist entweder leer oder erleuchtet. Entweder ist er alkoholisiert oder transzendiert. Ins Nirvana hat er sich gesoffen, wohin Buddha nur durch Meditation gelangte. Man fragt sich, warum er die Zeit hat, hier den ganzen Tag zu sitzen. Er nimmt sie sich einfach. Er ackert so viel, da lässt er niemand sonst über seine verbliebenen Stunden bestimmen. Nur er, sein Bier und das Fenster zu den Gleisen. Eine Vorlage gemacht für ein Gemälde. So, wie sie früher gemalt wurden. Hier gehört er hin, hier kann man ihn festhalten, an die Wand hängen und dort lassen.

    Von da an kommt jeden Tag ein Gast, der ihn sieht und sich fragt, wo sein Platz im Gemälde wohl wäre. Aber es gibt keine Antwort. Im Bildnis kommt nur an, wer einen Platz in der Welt hat. Die meisten aber sind hier und da, manchmal auch nirgends, oft vernetzt, zuhause verloren und ganz bestimmt nicht dort, wo sie sein wollen. Kurz gesagt, in der Welt gibt es keine Plätze mehr. Höchstens noch Momentaufnahmen, die kurze Zeit später in der Cloud landen. Vergessen und nie wieder gesehen.

    Das Gemälde von dem Mann in der Bar, es bleibt jedenfalls da. Genauso wie die Fischer in ihren Booten im Hotel, der Jäger auf der Pirsch im Restaurant und der Maler vor der Leinwand in der Lobby. Sie alle haben ihren Platz gefunden und müssen nicht mehr weg. Also warum müssen wir immer weg?

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